Bonbon-Geschichte

Weil Zucker ein extrem guter Energieträger ist, ist dieser bei den Menschen (wie auch bei den Tieren) sehr beliebt. Dies haben wir alle schon im wahrsten Sinne mit der Muttermilch eingesogen, und die Menschen waren schon seit tausenden von Jahren bestrebt, sich ihr Leben zu versüßen. Wenn die süßen Früchte nicht mehr ausreichten, dann wurde der Honig aus den Bienenstöcken genommen. In Ägypten fand man als Grabbeigaben Reste von auf Stöcke gespießten Früchten, die mit Honig überzogen waren– erste Vorläufer von Lollies. Nachdem im 7.Jahrhundert in Arabien die Herstellung von Zucker aus Zuckerrohrsaft erfunden worden war, wurden hier die ersten Bonbons mit Fruchtsäften gemacht (genannt „Fanid Chsai“).
In Europa blieb Zucker noch längere Zeit unbekannt. Später wurde er mit großem Aufwand aus Asien importiert und war daher für die meisten Menschen unerschwinglich.
Die Herstellung von künstlerischen Zuckerskulpturen (mehr noch als seine Verwendung in der Küche) an den Höfen im 17. Und 18. Jahrhundert war Ausdruck reiner Verschwendungssucht. Die Zuckerbäcker gehörten damals zu den begehrtesten und bestbezahlten Handwerkern an den Herrscherhäusern. Der Legende nach ließ König Henry IV. im Jahre 1572 zu seiner Hochzeit Zuckerwaren an das Volk verteilen. Dabei riefen die Kinder (die so etwas nie zuvor gegessen hatten) „Bon!“ („Gut!“) und als Steigerung „Bon Bon!“. So soll der Begriff „Bonbon“ entstanden sein.
Mit der Entwicklung der Kolonien und dem Anbau von Rohrzucker in der Karibik wurde Zuckerr immer billiger. Daher konnten ihn sich immer breitere Schichten leisten, und viele Konditoren stellten Bonbons in Handarbeit her. Mit den Napoleonischen Kriegen Anfang des 19.Jahrhunderts und der durch die Briten verhängten Kontinentalsperre versiegte in Deutschland plötzlich der Zugang zu den Importen, eben auch von Zucker. Dies verhalf der Herstellung von Rübenzucker (das Verfahren wurde Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland entwickelt) zu einem ersten Aufschwung. Ab 1841 wurden in Deutschland erstmals Bonbons industriell hergestellt. Der Erfolg war auch darauf zurück zu führen, dass wegen der schlechten Lebensbedingungen der meisten Menschen in den Städten Atemwegserkrankungen weit verbreitet und die Kräuterbonbons eine Möglichkeit waren, die bitteren Heilkräuter auf angenehme Weise einzunehmen. Da die Bonbons einzeln verkauft wurden, war dies im wahrsten Sinne des Wortes ein Pfennig-Produkt – die ersten Dinge, die sich auch Kinder aus den ärmeren Schichten zu ihrem Vergnügen von ihrem eigenen Geld kaufen konnten.
Gegen die industrielle Produktion konnten sich auf Dauer nur noch wenige Hersteller behaupten. Meistens waren dies Konditoren, die Bonbons quasi nebenbei mit Kessel, Bonbonpresse und Dragiertrommel herstellten. Mehr als in Deutschland konnten sich in anderen Ländern Bonbonwerkstätten halten, wenn sie in die Bonbons kunstvolle Muster und Symbole einarbeiteten. Weil dazu die Bonbonmasse länger warm gehalten werden musste, setze sich eine Technik durch, bei der die heiße Zuckermasse aus dem Kessel zum Abkühlen auf eine große Steinplatte gegossen wurde. Diese Platte nimmt die Hitze auf und kann die Zuckermasse warmhalten, während die Muster eingearbeitet werden. Wegen der Verwendung der Steinplatten (englisch „rock“) wird diese Bonbonart als Rocks-Bonbons bezeichnet.
Allerdings dauert es Stunden, bis eine solche Steinplatte wieder soweit abgekühlt ist, dass der nächste Satz Bonbons bearbeitet werden kann. Wir kühlen daher auf einem Stahltisch und halten die Zuckerteile beim Bau der Muster auf einer Wärmeplatte warm. Dennoch werden natürlich auch unsere Bonsche als Rocks-Bonbons bezeichnet.